Koh Young Anwendertagung 2026
KI trifft Praxis: Knapp 50 Koh Young Anwender bei SmartRep in Hanau
Künstliche Intelligenz ist bei Koh Young längst fester Bestandteil der Inspektionstechnik. Welche Möglichkeiten die KI-gestützten Systeme bereits heute bieten, erfuhren knapp 50 Teilnehmer bei der jährlichen Koh Young Anwendertagung bei SmartRep in Hanau. Neben neuen Funktionen für die automatisierte Programmierung und Fehlerbewertung standen vor allem konkrete Herausforderungen aus dem Fertigungsalltag im Fokus.
KI in der Fertigung: Spezialwerkzeug statt Alleskönner
Axel Lindloff, KI-Experte bei Koh Young Technology, rückte dabei zunächst einige verbreitete Vorstellungen über Künstliche Intelligenz zurecht: „KI in der Fertigung ist ein Spezialwerkzeug.“ Sie sei kein autonomes System, das sich der menschlichen Kontrolle entziehe, sondern ein leistungsfähiges Werkzeug, das gezielt eingesetzt und gesteuert werden müsse.
Entscheidend seien vor allem die besonderen Anforderungen industrieller Produktionsprozesse. Während beispielsweise eine Bildgenerierung mit ChatGPT innerhalb von 20 Sekunden beeindruckend schnell erscheinen mag, sind solche Zeiträume in einer modernen Elektronikfertigung, in der Taktzeiten teilweise unter zehn Sekunden liegen, nicht akzeptabel. Datenübertragung, Verarbeitung und Entscheidungsfindung müssen hier in Echtzeit erfolgen.
Hinzu kommen hohe Anforderungen an Compliance, Datenschutz und Cybersicherheit. Koh Young setzt deshalb konsequent auf einen Edge-AI-Ansatz, bei dem KI-Funktionen direkt auf den Inspektionssystemen beziehungsweise innerhalb der Fertigungslinie ausgeführt werden. Das reduziert Abhängigkeiten von externen Rechenressourcen, schützt die Daten und ermöglicht kurze Reaktionszeiten.

SmartReview: Wenn KI aus menschlichen Entscheidungen lernt
Wie wichtig die Qualität der Trainingsdaten für den erfolgreichen KI-Einsatz ist, zeigte sich am Beispiel von SmartReview. Die Lösung unterstützt die automatisierte Bewertung von Inspektionsergebnissen und nutzt dazu unter anderem die Entscheidungen der Bediener.
Doch was passiert, wenn ein Bediener nach einer anstrengenden Nachtschicht weniger aufmerksam ist oder vermeintliche Pseudofehler routinemäßig wegklickt und dabei tatsächliche Defekte übersieht? Werden solche Fehlentscheidungen ungefiltert zum Training verwendet, kann die KI unerwünschte Verhaltensmuster übernehmen. Dieses Risiko wird auch unter dem Stichwort „Data Poisoning“ diskutiert.
Koh Young begegnet dieser Herausforderung mit gezielten Kontrollmöglichkeiten. So können Supervisoren bestimmte Bediener beziehungsweise deren Bewertungen vom Modelltraining ausschließen. Funktionen wie „Role Based Judgement“ und „Previous Judgement“ ermöglichen eine differenzierte Berücksichtigung von Entscheidungen und früheren Bewertungen. Dabei können sowohl bildbasierte Defektmerkmale als auch konkrete Messwerte in die Beurteilung einfließen.
SmartReview bietet drei aufeinander aufbauende Funktionsstufen: die Erstellung von KI-Modellen, das automatisierte „Auto Judgement“ und das „AI Feedback“. Ziel ist es, die Fehlerbewertung zunehmend zu automatisieren, den Bedienereinfluss zu reduzieren und gleichzeitig eine verlässliche Kontrolle über die Entscheidungsqualität zu behalten.

Weniger Programmieraufwand durch intelligente Automatisierung
Weitere Schwerpunkte bildeten die KI-gestützte Programmvorbereitung mit ePM AI sowie das Auto Programming zur Entlastung von Fachpersonal: ePM AI übernimmt wiederkehrende Vorbereitungsschritte und entlastet damit die Programmierer von zeitaufwendigen Routinetätigkeiten. Das schafft Freiräume für anspruchsvollere Aufgaben und trägt dazu bei, die Programmerstellung effizienter zu gestalten. Beim Auto Programming geht Koh Young noch einen Schritt weiter: Anhand mehrerer Referenzbauteile erstellt die KI eigenständig die erforderlichen Programmeinstellungen.
Aus der Praxis für die Praxis
Neben den technologischen Präsentationen kam auch der direkte Praxisbezug nicht zu kurz. In mehreren Workshops diskutierten die Teilnehmer typische Herausforderungen aus ihrem Fertigungsalltag und erarbeiteten gemeinsam mit den Experten Lösungsansätze.
Ein Beispiel: Elektronische Bauteile unterschiedlicher Hersteller können sich trotz gleicher Spezifikation um wenige Mikrometer in ihrer Höhe unterscheiden. Für das AOI-System kann bereits eine solche minimale Abweichung ausreichen, um eine Fehlermeldung auszulösen. Wie lassen sich solche Pseudofehler reduzieren, ohne gleichzeitig die Erkennung tatsächlicher Defekte zu beeinträchtigen?
Gerade diese Verbindung aus technologischen Einblicken, konkreten Anwendungsbeispielen und dem offenen Austausch unter Anwendern machte den besonderen Wert der Veranstaltung aus.
Erfahrungsaustausch als Erfolgsfaktor
Die Anwendertagung zeigte einmal mehr, dass der erfolgreiche Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Elektronikfertigung nicht allein von leistungsfähigen Algorithmen abhängt. Ebenso entscheidend sind fundiertes Prozesswissen, hochwertige Trainingsdaten und die richtige Integration in bestehende Fertigungsabläufe sowie das Vertrauen der Bediener in die KI-Technologie.
Mit knapp 50 Teilnehmern bot die Veranstaltung bei SmartRep in Hanau einen Rahmen für den intensiven Dialog zwischen Anwendern, Hersteller und Vertriebspartner. Die Anwendertagung zeigte: KI ist in der Inspektionstechnik längst im Praxiseinsatz – sie reduziert den Programmieraufwand, automatisiert die Fehlerbewertung und macht Fertigungsprozesse effizienter.












